Mit besonders großen Erwartungen ist die gesamte Pflegebranche in dieses Jahr gestartet. Den Grund dafür lieferte Anfang Dezember 2010 der damalige Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler, der vollmundig verkündete: "Wir wollen 2011 zum Pflegejahr machen." Doch was kam danach?
Jetzt zum Jahresende ist die Bilanz ernüchternd. Der Bundesgesundheitsminister heißt längst Daniel Bahr und die Ankündigung seines Vorgängers scheint vollends in Vergessenheit geraten zu sein. Weder der angekündigte neue Pflegebedürftigkeitsbegriff noch eine Veränderung der umstrittenen Transparenzkriterien wurden wirklich umgesetzt. Die im November beschlossene Anhebung des Pflegeversicherungsbeitrags zur Unterstützung der Demenzbetreuung ist ein schon fast lächerlich kleiner Schritt angesichts der vielen großen Herausforderungen, mit denen sich die Pflegebranche konfrontiert sieht.
Immer mehr älteren, pflegebedürftigen Menschen, die versorgt und gepflegt werden müssen, stehen immer weniger Fachkräfte gegenüber. Gleichzeitig gerät die Pflege auch finanziell unter Druck. Dabei steht die moderne Altenpflege vor großen Herausforderungen und ist weit mehr als eine Begleitung in den letzten Abschnitten des Lebens.
Sie ist in erster Linie eben auch ein großer Wirtschaftsfaktor, wie die Studie "Pflegewirtschaft 2011: Wertschöpfung, Beschäftigung und deren Auswirkung auf Steuern und Sozialabgaben" von Dr. Dominik H. Enste vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln herausstreicht: Das Umsatzvolumen für Pflegeleistungen betrug sich im Jahr 2011 nach Schätzungen rund 33 Milliarden Euro und hat sich in den letzten 15 Jahren fast verdoppelt. Die volkswirtschaftliche Wertschöpfung der Pflege im Jahr 2011 liegt bei über 27 Milliarden Euro. Dies entspricht etwa einem Anteil von 1,1 % am Bruttoinlandsprodukt. Diese Leistungen erbringen nach Hochrechnungen 970.000 Beschäftigte.
Warum also, kann sich die Politik, die Banken retten und notfalls auch Baukonzerne stützen kann, nicht endlich auf ihre Verpflichtung besinnen, den Beschäftigten und Trägern in der Pflege zukunftssichere Rahmenbedingungen zu schaffen?
Etwas milder wird die Bilanz, wenn der Blick vom Bund in das Land Nordrhein-Westfalen geht. Natürlich, auch hier sind die Fortschritte langsam, aber es wurden und werden einige Fehler der vergangenen Jahre langsam korrigiert. Das gut gemeinte Wohn- und Teilhabegesetz, das als Nachfolger des Heimgesetzes seit einigen Jahren regelt, wie stationäre Pflegeeinrichtungen betrieben und kontrolliert werden, wurde vorsichtig weiterentwickelt, damit nicht jede betreute Wohngemeinschaft nach den gleichen Kriterien beurteilt wird wie eine große Pflegeeinrichtung. Damit bleibt der Schutz für Bewohnerinnen und Bewohner erhalten, ohne dass innovative Wohnformen unmöglich gemacht werden. Ebenfalls vorbereitet wurde im abgelaufenen Jahr die sinnvolle Wiedereinführung der Altenpflegeumlage, auf die auch unser Ausblick am Ende dieses Jahresberichtes näher eingeht.
Ein anderes Vorzeigethema der NRW-Landesregierung klingt wie eine Zusammenfassung der ASB-Tätigkeiten in den letzten Jahren: die Stärkung der Wohnquartiere. Schon immer haben wir bei unseren Neubauten die Bedürfnisse der Stadtbezirke berücksichtigt und versucht, ältere Menschen dort zu pflegen, wo sie eine lange Zeit ihres Lebens verbracht haben. Nicht ohne Grund heißen unsere stationären Einrichtungen in vielen Städten "Begegnungs- und Pflegezentren" und stellen mit engen lokalen Kontakten und zahlreichen Veranstaltungen auch für Gäste aus dem Stadtteil lebendige Mittelpunkte ihrer jeweiligen Quartiere dar. Dieses Konzept werden wir auch in der Zukunft weiterverfolgen. Weitere wichtige Themen aus diesem Jahr, wie die intensive Aus- und Weiterbildung in unterschiedlichen Bereichen der Pflege oder die Einbindung von Angehörigen durch gemeinsame Freizeitaktivitäten, wollen wir ebenfalls weiterverfolgen und ausweiten.
Der Verband selbst blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück und geht mit großen Zielen in die Zukunft. Die durchweg gute Belegung und Auslastung unserer Einrichtungen und Dienste motiviert uns, auch den Ausbau der Sonderpflegebereiche weiter voranzutreiben und neue Modelle der Betreuung und Pflege im Alter umzusetzen.
Der Arbeiter-Samariter-Bund Regionalverband Herne-Gelsenkirchen e.V. gehört mit mehr als 3000 Mitgliedern zu den großen Sozialverbänden im Ruhrgebiet im Westen Deutschlands. weiterlesen...
Der ASB-Jahreskalender
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